Der Zeugnisanspruch

Jeder Arbeitnehmer hat bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf ein wohlwollend, qualifiziertes, schriftliches Arbeitszeugnis. Daneben gibt es zwar auch noch ein einfaches Zeugnis, dieses erstreckt sich jedoch auf die Art und Dauer der Beschäftigung. Das qualifizierte Zeugnis dagegen enthält auch Angaben zu Verhalten und vor allem Leistung des Arbeitnehmers. In aller Regel ist daher dazu zu raten, auf der Erteilung eines qualifizierten Zeugnisses zu bestehen. Nur dieses ist aussagekräftig genug um bei einem zukünftigen, potentiellen Arbeitgeber den nötigen guten Eindruck zu machen. Es ist daher essentiell wichtig, dass das Zeugnis überwiegend positive Formulierungen und vor allem keine versteckt negativen Formulierungen enthält. Für den Fall, dass der Arbeitnehmer sich bei den im Zeugnis enthaltenen Formulierungen nicht sicher ist, welche Bewertung diese enthalten, sollte er dieses auf jeden Fall rechtlich überprüfen lassen.

Das Zeugnis muss nämlich alle wesentlichen Tatsachen und Bewertungen enthalten, die für die Beurteilung des Arbeitnehmers von Bedeutung und für einen potentiellen neuen Arbeitgeber von Interesse sind. Dem Arbeitgeber steht hierbei ein Beurteilungsspielraum zu; das Zeugnis muss einerseits wahrheitsgemäß sein, andererseits aber von dem Wohlwollen eines objektiv urteilenden Arbeitgebers getragen sein, der das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers fördern will.

Schwierigkeiten in der Praxis bereiten dabei meist die nicht immer eindeutigen Formulierungen. So können Formulierungen, die sich auf den ersten Blick positiv lesen, nach der Zeugnissen eigenen Sprache durchaus negative Bedeutung haben oder zumindest den Gesamteindruck des Beurteilten herabwürdigen.

Kommt eine rechtliche Überprüfung des Zeugnisses dann zu dem Ergebnis, dass das Zeugnis nicht den tatsächlich erbrachten Leistungen oder aber dem tatsächlichen Verhalten des Arbeitnehmers entspricht, kann das Zeugnis gerichtlich angefochten werden. Gleiches gilt natürlich, wenn das Zeugnis nicht den üblichen Formvorschriften entspricht. Bei der Zeugnisberichtigungsklage ist aber selbstverständlich zu beachten, dass vom Arbeitgeber nicht verlangt werden kann, Unwahrheiten in das Zeugnis aufzunehmen. Dies ist jedoch in jedem Einzelfall gesondert zu prüfen.

Zu erwähnen ist außerdem noch, dass der Anspruch auf ein Zeugnis unter Umständen auch im noch bestehenden Arbeitsverhältnis entstehen kann. Einen Anspruch auf ein solches sog. Zwischenzeugnis haben Arbeitnehmer in der Regel immer dann, wenn sich an ihrem Arbeitsverhältnis etwas essentiell änder, z.b. der Vorgesetze wechselt, ein Betriebsübergang bevor steht oder der Arbeitnehmer einfach eine neue Stelle beim Arbeitgeber antritt. Ansonsten gelten auch für das Zwischenzeugnis die gleichen Regeln und Möglichkeiten wie beim oben erwähnten Endzeugnis.